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Startseite vom 21.07.2010 Westfälische Nachrichten
„Eltern verlassen sich darauf“
„Eltern verlassen sich darauf“

Wüst sieht es zurzeit im Dionysius-Familienzentrum aus - aber nichts tut sich. Baumaterialien und Mobiliar stehen ungenutzt herum.

Havixbeck - Der Bericht aus unserer gestrigen Zeitung hängt an der Eingangstür des Familienzentrums St. Dionysius: „Ausbau von U3-Betreuung auf Eis“. Er hängt direkt über dem Bauschild. Und eine Baustelle ist der Kindergarten zurzeit wirklich: leere Räume, blanker Estrich, freiliegende Rohrleitungen und Elektrokabel, andere Räume vollgestellt mit Spielmaterialien und Mobiliar, Schubkarren, Mörtelsäcken und Schaufeln. Dass es so oder ähnlich aussehen würde, das wussten Kindergartenteam, Eltern und Kinder vorher - schließlich freuen sich alle auf den Umbau des in die Jahre gekommenen Gebäudes. Leider aber passiert seit Freitag nichts mehr. Denn an diesem Tag hat die Zentralrendantur Dülmen die Umbaumaßnahme gestoppt, wie deren Leiter Erik Potthoff gestern mitteilte. Der Grund: Die Bewilligung der Fördergelder, vom Landesjugendamt mündlich bereits avisiert, ist vom (alten) Landesministerium auf Eis gelegt worden.

Kindergartenleiterin Anja Wesselmann hängt am Telefon. Die Drähte laufen heiß. Besorgte Eltern fragen nach, der Elternrat muss informiert werden. Am 1. August soll die Betreuung der Kinder unter drei Jahren beginnen. Zehn Mädchen und Jungen, zum Teil sogar noch unter zwei Jahren alt, sollen im Familienzentrum unterkommen. „Die Eltern verlassen sich darauf und sind darauf angewiesen“, weiß Anja Wesselmann. Für sie wäre ein totaler Baustopp eine Katastrophe. „So schnell kann wahrscheinlich keiner eine Ersatzlösung finden.“

Für Erik Potthoff ist die Situation dramatisch. „Die Aufnahme der U3-Kinder zum 1. August ist in Havixbeck gefährdet“, sagte er gestern bei einem Ortstermin im Daruper Marien-Kindergarten. Auch der ist eine stillgelegte Baustelle. Der Träger der Einrichtungen, die katholische Kirche, ist fieberhaft um eine Lösung bemüht. In Havixbeck geht es immerhin um einen Zuschuss von knapp 173.000 Euro.

Havixbecks Beigeordneter Wolfram Pott - die Gemeinde beteiligt sich ebenfalls an den Baukosten - will die Hoffnung nicht fahren lassen. „Es wird noch einiges zu klären sein. Möglicherweise erfüllt die Maßnahme ja doch die Voraussetzungen für eine Förderung. Ich hoffe jedenfalls auf eine sinnvolle Lösung.“

Aus Düsseldorf kommen erste ermutigende Signale. „Wir werden niemanden im Regen stehen lassen“, verkündet Ministerin Ute Schäfer in einer Pressemitteilung.

Das Bauvorhaben im Familienzentrum ist umfangreich. Es sieht in vier Bauabschnitten eine weitreichende Umstrukturierung der vorhandenen Räume vor:

Zurzeit wird ein Gruppenraum zum großen Sanitärraum samt Wickelraum umgebaut, der ehemalige Nebenraum soll zum Ruheraum werden. Ein weiterer Gruppenraum wird für die U3-Kinder altersgerecht umgestaltet. Hinzu kommt an die Stelle, an der sich heute noch die Küche und ein Sanitärraum befinden, ein Schlafraum und ein Wickelraum für die neuen Kleinen. Die Küche ihrerseits „zieht um“, ein Personalraum und ein behindertengerechtes WC werden neu eingerichtet. Ein neuer Materialraum und ein WC für Erwachsene sind ebenfalls vorgesehen. Dafür kann der heutige Materialraum abgerissen werden, sodass eine kleine offene Halle im Flurbereich entsteht.

Dass man während der Umbauarbeiten, deren Ende für Februar 2011 geplant sind, mit Provisorien, Baulärm und Schmutz würde leben müssen, war allen klar. Darauf werde man spontan reagieren, heißt es in einem Aushang. Zurzeit etwa wird - dem guten Wetter sei dank - viel draußen gespielt. Vorbereitet war auch, für drei Wochen vom 26. Juli bis zum 13. August in den Von-Galen-Kindergarten umzuziehen, um größeren Abbrucharbeiten aus dem Weg zu gehen. Wenn aber nichts passiert auf der Baustelle in der Dionysius-Kita, dann sind solche Pläne überflüssig.

VON FRANK VOGEL, NOTTULN

21 · 07 · 10

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